#246 Geniales Messinstrument fehlinterpretiert

From Perfekt Imperfekt · 00:18:32

Show by Gabriel Beyer

#246 Geniales Messinstrument fehlinterpretiertWir haben ein fantastisches Messinstrument mitbekommen: unsere Gefühle. Nur hat uns nie jemand beigebracht, es zu lesen. Das ist ein bisschen so, als würde ich im Flugzeug das Höhenruder mit dem Seitenruder verwechseln und plötzlich ganz woanders hinfliegen.Meistens deuten wir unsere Gefühle nach außen. Entweder stimmt was mit mir nicht, oder ich muss die Welt da draußen reparieren, weil diese Person dafür sorgt, dass ich mich so fühle. Also halte ich mich zurück, damit sich die andere nicht schlecht fühlt. Wenn draußen Krieg ist, darf ich mich nicht gut fühlen. Wenn Wirtschaftskrise ist, auch nicht.Was, wenn dieses Messinstrument nur eine einzige Sache misst: die Qualität meiner Gedanken? Ich denke schwer, also fühle ich mich schwer. Ich denke grandios, also fühle ich mich grandios. Ich denke depressiv, also fühle ich mich depressiv. So lesen wir das Instrument richtig.Ich kann die Außenwelt gar nicht direkt wahrnehmen, keine Events und keine anderen Menschen. Ich nehme sie immer nur durch meine Interpretation wahr, und die fühle ich. Früher hab ich mich schwer gefühlt und gedacht: Was für ein blöder Tag. Oder es liegt an meinem Job, an meiner Partnerin, an meinen Kindern, an meinem Kontostand. Kein Wunder, dass ich dann bescheuerte Entscheidungen getroffen hab. Die beruhten alle auf demselben Missverständnis.Der Quantenphysiker David Bohm hat es so gesagt: Thought creates the world and then says I didn't do it. Das Denken erschafft die Welt und sagt dann: „Ich war es nicht.“ Wir schwimmen in unserem Denken wie der Fisch im Wasser und sind so fixiert auf die Außenwelt, dass wir nicht sehen, was wir da gerade bauen.Vor Jahren bin ich mal durch die Einkaufsstraße in Stuttgart geschlendert und hab bei jedem Menschen gedacht: „Meine Schwester, mein Bruder.“ Das hat sich sofort richtig gut angefühlt. Ich meine das nicht als Technik. Es zeigt nur, dass wir ständig Welten bauen. Techniken wie positives Denken oder Reframing können eine Zeit lang helfen. Aber zu sehen, dass ich der bin, der baut, ist noch mal einen Schritt dahinter.Und das Schöne ist: Dann muss ich mir nichts einreden. Dann kann ich auch Menschen, die total in ihrem Denken verloren sind, mit Verständnis begegnen. Das heißt nicht, dass ich gut finde, was sie tun. Es heißt nur, dass ich sehe: Wir schwimmen alle in unserem eigenen Denken.Das entkoppelt mich emotional von dem, was in der Welt passiert, und davon, wie mein Partner gerade drauf ist. Dadurch kann ich ihn viel besser unterstützen, wenn er down ist. Ich muss nicht mehr ins Rabbit Hole gehen, wenn ich an Krieg denke. Ich verkriech mich nicht mehr und weiche Menschen nicht mehr aus, bei denen ich früher dachte, mit denen fühlt sich das immer blöd an. Ich muss nicht mal den Gedanken finden, der dahintersteckt. Zu wissen, dass es mein Denken ist, entspannt das System schon.Nichts hat sich verändert, und alles ist anders. So beschreiben es viele, die das sehen.In der Folge erzähle ich, wie wir unser Messinstrument falsch lesen und warum es uns frei macht, es richtig zu lesen.Mehr über mich und meine Arbeit: gabrielbeyer.orgIch wünsche dir was.Gabriel

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